Die Form der Gitarre und der Einfluss auf den Klang …

16. Juli 2015
Volker Lesch

Was beeinflußt den Klang einer akustischen Gitarre mehr? Das Holz, die Beleistung, die Kunst des Gitarrenbauers? Die Frage ist für viele Gitarristen schon fast akademischer Natur und liefert insbesondere in Foren Material für ungezählte Beiträge. Heute geht es uns um unterschiedliche Korpusformen, deren Volumen und Zargentaillierung den Sound wesentlich formen. Wir vergleichen von Blueridge die BR-260 (Dreadnought), eine BR-263 (Triple “0”) und die BR-361 (Parlour). Alle Instrumente haben eine massive Fichtendecke und einen Korpus aus massivem Palisander. Eingespielt von Pro Arte Mitarbeiter Stephan Schmitt.

BR-260. Die “Dreadnought” ist das wohl beliebteste Werkzeug, wenn es um Durchsetzungvermögen und Power geht. Interessanterweise heißt das gute Stück übersetzt “Fürchtenichts” und war die Bezeichnung für ein 1906 gebautes Kriegsschiff. Der Bau der Gitarre erfolgte ca. zehn Jahre später. Singer und Songwriter im Folk und Blues spielen diese Flat-Tops bevorzugt, im Bluegrass ist die Dreadnought ein gern gesehener Gast im Proberaum und auf der Bühne. Mit dem Plektrum gespielte Single Note Lines und Akkorde erklingen präsent und obertonreich. Die Zarge liegt meist rechtwinklig am Hals an, die Taille ist breit, der Korpus sehr tief. Mehr Informationen hier.

BR-263. Ganz anders die Triple “0”, Orchestra oder Auditorium Modelle. Konsequent auf tonale Mitten und feine Obertonstruktur getrimmt entfalten sie ihre optimale Kraft und Ausgewogenheit beim Spielen mit den Fingern oder Fingernägeln der rechten Hand. Die Taillierung ist relativ schmal, der Korpus kleiner als bei der Dreadnought. Das alles führt zu einer schnellen Ansprache bei kurzem Sustain. Zurückhaltende Bässe verhelfen dem Instrument zu klarer Trennung zum Diskantbereich. Die ideale Partnerin für perlende Arpeggien, Ragtime und New Acoustic Style. Mehr Informationen hier.

BR-361. Klein, aber “0”h”0″. Unglaublich, welche Power aus so einem “reduzierten” Korpus kommt. Eine schlanke Beleistung der Decke sorgt für einen vergleichsweise tiefen Bass und gehörig Fundament respektive Lautstärke. Kein Wunder also, dass insbesondere Singer/Songwriter diese Perle gerne als Instrument auswählen. Das Shaping ist in seinem Ursprungsland USA weitaus beliebter als in Europa, im Fingerstyle und Blues fühlt sich die Gitarre eher zuhause als bei Fullrange-Akkorden mit dem Plektrum. Mehr Informationen hier.